Rituale


Viele Kräfte wurden später von den okkulten Priestern darauf verwendet, den Sinn der Rituale und Handlungen in den wedischen Zeiten zu beschmutzen und zu verdrehen. So wurde zum Beispiel ein Gerücht verbreitet, dass die Weden die Wasserkraft ohne jede Vernunft anbeteten. Selbst die hübschesten Mädchen, die die Liebe noch nicht kannten, wurden als Opfer gebracht. Sie wurden in Seen oder Flüsse geworfen, an Flöße angebunden und waren, sobald sie vom Ufer abgestoßen wurden, dem Tode geweiht.


Natürlich waren mit der Wasserkraft, mit Seen oder Flüssen viele verschiedene Taten der Weden verbunden. Aber ihr Sinn bestand in etwas  anderem, sie galten nicht dem Tod, sondern dem Leben. Ich werde nur von einem erzählen, was bis heute ähnlich abläuft. Aber auch nur ähnlich. An die Stelle des rationalen poetischen großen Sinns sind heute Unklarheit und Okkultismus getreten.


In verschiedenen Ländern gibt es auch heute noch Feiertage zu Ehren des Wassers, an denen Kränze oder ein kleines Floß mit einer schönen Laterne oder einer Kerze auf das Wasser gesetzt und vom Ufer abgestoßen werden, damit sie schwimmen, und dabei wird um gutes Wasser gebeten. Schau, woher dieser Feiertag kommt und wie rational und poetisch sein ursprünglicher Sinn ist.


Es kam auch in wedischen Zeiten vor, dass ein oder zwei Mädchen in ihrem Heimatort keinen Geliebten finden konnten, und auch an großen Feiertagen, an denen gleich mehrere Orte teilnahmen, gelang es ihnen nicht, einen Auserwählten zu finden. Es lag nicht daran, dass die Auswahl begrenzt war. Vor ihnen standen schöne junge Männer mit verständigem Blick, Göttern gleich. Aber das Herz des Mädchens, ihre Seele erwartete etwas anderes. Die Liebe kam nicht zu ihnen. Das Mädchen träumte von jemandem, aber von wem? Sie wusste es selbst nicht. Bis heute kann niemand das Rätsel und die Freiheit der Wahl der Energie der Liebe erklären.


Daher gingen die Mädchen an einem bestimmten Tag zum Fluss. In einer kleinen Bucht des Flusses setzten sie ein kleines Floß aufs Wasser. Rings um das Floß war eine Blumengirlande. In die Mitte stellten sie einen kleinen Krug mit einem Getränk - Fruchtsaft oder Wein - und um den Krug herum legten sie Obst. Das Getränk musste das Mädchen selbst zubereiten und das Obst von den Bäumen pflücken, die sie selbst im Garten der Eltern gesetzt hatte. Sie konnte auch ein Band auf das Floß legen, das aus Leinenfasern geflochten war, oder etwas anderes, das sie mit ihren eigenen Händen gefertigt hatte. Als Letztes kam ein kleines Lämpchen auf das Floß.


Um das Lagerfeuer, das am Ufer brannte, tanzten die Mädchen im Reigen und sangen ein Lied über den Geliebten, den sie noch nicht gesehen hatten. Danach zündeten sie mit kleinen Zweigen, die im Feuer brannten, den Docht des Lämpchens an. Dann stießen sie die Flöße leicht an, die vom Strom erfasst und vorsichtig in die unermesslichen Weiten des Flusses getragen wurden.


Hoffnungsvolle Blicke der Mädchen begleiteten die Flöße, bis in der Ferne nur noch die Flämmchen zu sehen waren und immer kleiner wurden. Die Herzen der Mädchen entflammten im Feuer der Hoffnung. Das frohe, zärtliche Gefühl für jemanden, den man nicht kannte, nahm zu.


Die Mädchen liefen in ihre Häuser, zogen sich zurück und bereiteten sich aufgeregt auf das Treffen vor. Der Ersehnte kam bei Sonnenaufgang oder -untergang, das spielte keine Rolle. Aber wie? Was führte ihn herbei? War Mystik der Begegnung behilflich oder Rationalität? Vielleicht auch Wissen, zu dem sich die Gefühle der Weden gesellten, urteile selbst.


Die Flöße der Mädchen schwammen von der Strömung getragen an bestimmten Tagen, die in allen Ortschaften, auch den weiter entfernten, bekannt waren.


Sie konnten ein, zwei oder drei Tage unterwegs sein. An all diesen Tagen und Mondnächten warteten an den Flussufern hoffnungsvoll und einsam die jungen Männer, die noch keine Liebe kannten.


Dann sah einer in der Ferne ein Flämmchen, das von der Flussströmung getragen wurde, und sofort tauchte er ins Wasser ein und schwamm dem Flämmchen der Liebe entgegen. Der Strom des durchsichtigen Flusswassers verbrannte den glühenden Körper des jungen Mannes nicht, sondern er streichelte ihn zärtlich. Die Feuer der Flöße kamen immer näher und Umrisse waren schon sichtbar, eines schöner als das andere. Er wählte eins davon aus. Es ist nicht klar, warum er gerade diese Wahl für die beste hielt.


Er zog das Floß von der Mitte des Flusses zum Ufer, wobei er es mit der Hand oder der Wange an seinem Rand berührte. Der Fluss mit seiner Strömung schien mit ihm zu spielen. Der Körper füllte sich mit immer größerer Kraft, er merkte nichts vom Spiel des Flusses und war mit den Gedanken schon am Ufer.


Der junge Mann stellte das Floß vorsichtig auf der Erde ab, er blies das Lämpchen aus, probierte mit Entzücken das Getränk und lief schnell nach Hause, um sich für den Weg bereit zu machen. Der junge Mann nahm alles mit, was auf dem Floß lag. Auf dem Weg aß er das Obst und war von seinem Geschmack begeistert. Bald ging er in die Siedlung, aus der das Floß abgeschickt wurde und fand, ohne sich zu irren, den Garten und den Baum, dessen Früchte ihm den Weg versüßt hatten.


Die Leute mögen sich wundern - das geht doch nicht ohne Mystik: Wie kann der junge Mann so unbeirrt seine Liebste finden?


Man kann sagen, dass die Liebe ihn auf dem nur ihr bekannten Pfad führte. Aber das Lämpchen half auch dabei. An dem kleinen Gefäß, in dem der in Öl schwimmende Docht brannte, waren Kerben angebracht. Mit deren Hilfe konnte jeder feststellen, wie lange das Feuer des Lämpchens gebrannt hatte. Die Fließgeschwindigkeit des Flusses war auch bekannt. Die Aufgabe war ganz einfach und leicht zu lösen. In einer Ortschaft den Baum zu finden, von dem er Obst gegessen hatte, war für einen jungen Mann in wedischen Zeiten gar keine Mühe.


Nur jemandem, der unaufmerksam ist, könnten die Früchte als gleich erscheinen. Die Früchte gleicher Pflanzen sind in Form, Farbe, Geruch und Geschmack unterschiedlich, selbst wenn sie nebeneinander wachsen.


Nur eines ist nicht mit Sicherheit zu erklären. Wieso er und sie, wenn sie sich zum ersten Mal trafen, sich plötzlich ineinander verliebten und ihre Liebe ungewöhnlich stark brannte.


,Es ist alles ganz einfach', würde ein Philosoph von heute sagen. ,Ihre Gefühle wurden durch ihren eigenen Traum noch vor dem Treffen zum Glühen gebracht.'


Auf eine ähnliche Frage hätte ein grauhaariger Wede verschmitzt geantwortet: ,Unser Fluss war schon immer ein Schalk.'


Natürlich könnte der Wede, wenn er das wollte, alle Einzelheiten des von mir erzählten Rituals auseinander pflücken und die Vorbestimmung jedes Augenblicks feststellen. Er könnte ein großes Traktat schreiben, aber kein Wede verschwendet einen Gedanken an eine solche Sache. Es ist nämlich so, Wladimir, dass sie das Leben nicht auseinander nahmen, sondern sie SCHUFEN es!

Fortsetzung im nächsten Kapitel

Die Elementegöttin


  

 


 

Achte alles Leben


 

Achte alles Leben

besonders auch das Ei

Sei in Liebe auch mit Dir

dann bist Du immer frei.

 

Genieße den Duft von tausend Blumen

eine jede auf Ihre ganz besondere Art

Trink die Schönheit des Blumenmeeres

sehe das zu Lieben niemals schwer ist


 

Taste Dich heran,

der Geschmack im Honig dann

wird von Bienen Dir nahe gebracht

alles das hat die Liebe

für Dich gemacht !


 

Heide, Glockenblume, Melissenkraut,

Fenchel, Rose, Orchidee

in Deinem Garten mehr als tausend Sorten

mehr als tausend Sorten säe !


 

Achte alles Leben

besonders auch das Ei

Sei in Liebe auch mit Dir

dann bist Du immer frei.

 

 

 
 

Buchzitat: Wladimir Megre 

Musik : DieFavorisierten

Gedicht : Thomas Patock