Der reichste Bräutigam

(Drittes Gleichnis)


 Ich werde dieses Gleichnis etwas ändern und es auf die moderne Art umgestalten.

In einem Dorf lebten zwei Nachbarn. Ihre Familien waren befreundet und arbeiteten zu ihrer Freude auf ihrem Land. Im Frühjahr blühten die Gärten auf beiden Grundstücken und bei jedem wuchs ein kleiner Wald. In jeder Familie wurde ein Sohn geboren. Als die Söhne der beiden befreundeten Familien herangewachsen waren, äußerten die zwei Familien an einem festlichen Tisch einmal die feste Entscheidung, ihren Söhnen alles zu übergeben.

`Was und wann man säen soll, sollen jetzt unsere Söhne entscheiden. Und wir beide, mein Freund, sollen weder mit Blicken noch mit Hinweisen unseren Söhnen widersprechen,`sagte einer.

`Einverstanden` sagte der andere, mögen unsere Söhne, wenn sie es wünschen, auch das Haus auf ihre Weise umändern. Sie werden selbst die Kleidung wählen, welches Vieh und welche Geräte sie brauchen, sollen sie entscheiden.

`Gut`, antwortete der zweite,`mögen unsere Söhne selbstständig werden und sich selbst eine würdige Braut auswählen. Für unsere Söhne, mein Freund, werden wir zusammen auf Brautschau gehen.`

Das war der feste Entschluss der beiden befreundeten Nachbarn. Die Ehefrauen unterstützten ihr Vorhaben und die Familien lebten unter der Verwaltung ihrer erwachsenen Söhne. Aber ab diesem Zeitpunkt gestaltete sich das Leben der beiden Familien verschieden.

In einer wurde der Sohn geschäftstüchtig, akzeptierte alle und daher nannte man ihn im Dorf den Ersten. In der zweiten war der Sohn nachdenklich, erschien seiner Umwelt, als langsam und man nannte ihn den Zweiten. Der erste holzte den jungen Wald, den sein Vater gesetzt hatte, ab und fuhr das Holz auf den Markt. Statt eines Pferdes kaufte er einen Pkw und einen kleinen Traktor. Der Sohn des ersten Nachbarn galt als unternehmerisch. Der Unternehmer fand heraus, dass im kommenden Jahr der Preis für den Knoblauch stark ansteigen würde, und damit hatte er Recht. Er riss alle Anpflanzungen auf seinem Land heraus und säte auf dem Feld Knoblauch. Der Vater und die Mutter, die ja ihr Wort gegeben hatten, bemühten sich, dem Sohn nach Kräften zu helfen. Die Familie verkaufte den Knoblauch mit großem Gewinn. Aus modernem Baumaterial ließen sie von Bauarbeitern ein großes Haus bauen. Der unternehmerische Sohn gab sich immer noch nicht zufrieden, er rechnete von morgens bis abends, womit er im Frühjahr am vorteilhaftesten die Felder bestellte. Am Ende des Winters hatte er errechnet, dass es am profitabelsten für ihn wäre, auf dem Feld im Frühjahr Zwiebeln zu stecken. Wieder verkaufte er seine Ernte mit Gewinn und kaufte sich ein großes, schickes Auto.


Einmal begegneten sich die Söhne der beiden Nachbarn auf dem Feldweg. Einer fuhr im Auto, der andere auf einer Fuhre, die eine flinke Stute zog. Der erfolgreiche Unternehmer hielt an. Zwischen den beiden Nachbarn kam es zu folgendem Gespräch.

`Sieh, Nachbar, ich fahre in einem schicken Auto und du bewegst dich nach wie vor in einer Kutsche fort. Ich baue ein großes Haus und du wohnst in dem alten deines Vaters. Unsere Väter und Mütter waren immer miteinander befreundet. Ich möchte dir auch Nachbarschaftshilfe leisten, wenn du möchtest, sage ich dir, womit es am vorteilhaftesten ist, das Feld zu bestellen.`

`Danke, dass du mir einen Dienst erweisen willst`, sagte der zweite Nachbar von seinem Wagen herunter,`aber ich schätze die Freiheit meiner Gedanken.`

`Ich greife doch nicht die Freiheit deiner Gedanken an. Ich will dir nur aufrichtig helfen.`

`Danke auch für deine Aufrichtigkeit, lieber Nachbar. Das Leblose hindert am freien Denken, zum Beispiel das Auto, in dem du sitzt.`

`Wie kann das Auto hindern? Deine Fuhre kann es leicht überholen und bis du zur Stadt gefahren bist, habe ich meine Angelegenheiten schon erledigt. Alles dank des Autos.`

`Ja, dein Auto kann meine Kutsche natürlich überholen, aber du sitzt hinter dem Lenkrad und musst es ständig festhalten und ständig schalten und die ganze Zeit auf die Anzeigen und auf den Weg achten. Mein Pferdchen läuft langsamer als ein Auto, aber ich brauche dabei nichts zu tun, den Gedanken dafür nicht auf die Bewegung ablenken. Ich kann einschlafen, das Pferd kennt den Weg nach Hause selbst. Du sagtest, es gibt Schwierigkeiten mit dem Benzin, das Pferd findet sein Futter selbst auf der Weide. Und übrigens, sage mir, wohin hast du es jetzt so eilig in deinem Auto ?

`Ich will Ersatzteile auf Vorrat kaufen, Ich weiß, was an meinem Auto bald kaputt gehen kann.`

`Dann hast du die Technik richtig erkannt, dass du dir sogar zukünftige Pannen genau vorstellen kannst?`

`Ja, das habe ich ! Ich habe auf speziellen Kursen drei Jahre lang Technik studiert. Erinnerst du dich, dass ich Dich auch dazu mitnehmen wollte?`

`Du hast drei Jahre lang deinen Gedanken dieser Technik geopfert, jener, die zerbricht, die alt wird.`

`Dein Pferd wird auch älter und stirbt.`


Ja, natürlich wird es älter. Aber vorher bringt es noch ein Fohlen zur Welt. Es wird heranwachsen und ich werde darauf reiten. Das Lebendige dienst dem Menschen ewig, das Tote verkürzt nur sein Lebensalter.`


`Über deine Ansichten lacht das ganze Dorf. Mich halten alle für erfolgreich, für reich und dich für einen, der nur auf Kosten des von seinem Vater Erworbenen lebt. Auf dem Grundstück deines Vaters hast du die Arten der Bäume und Sträucher kein bisschen gewechselt.`

`Aber ich liebe sie so. Ich habe versucht, ihre Bestimmungen und ihre gegenseitigen Beziehungen zu verstehen. Jene, die verkümmern wollten, habe ich mit einem Blick und einer Berührung ermuntert. Jetzt blüht alles einträchtig im Frühling, von ganz allein, ohne dass man etwas dafür tun muss, es kann den Sommer kaum erwarten, um im Herbst seine Früchte anzubieten.`


`Du bist wirklich ein seltsamer Kauz`, seufzte der Unternehmer, `läufst herum, bewunderst dein Anwesen, den Garten und die Blumen. Damit gibt du also deinem Gedanken Freiheit.`

`Ja.`

`Wozu brauchst du einen freien Gedanken? Was gibt dir die Freiheit des Gedankens?`


`Um alle großen Werke zu erkennen. Um glücklich zu sein, um dir zu helfen.`

`Mir?! Da bildest du dir aber zu viel ein. Ich kann mir das schönste Mädchen im Dorf zur Frau nehmen, jede würde mich nehmen. Alle wollen reich sein, in einem großzügigen Haus leben und in einem Auto fahren.`

`Reich sein, heißt nicht, dass man auch glücklich ist.`


`Und arm sein?`

`Auch arm sein ist nicht gut.`

`Nicht arm, nicht reich, wie dann ?`

`Wohlstand brauchen alle, Genügsamkeit ist auch gut. Sich des Geschehens ringsum bewusst sein, denn das Glück kommt zu den Menschen nicht plötzlich.`


Der Unternehmer grinste und fuhr schnell davon. Ein Jahr später trafen sich die benachbarten Väter zu einer Beratung. Sie waren der Meinung, dass es an der Zeit wäre, für ihre Söhne eine Baut zu freien. Als sie sie fragten, wen von den Mädchen im Dorf sie zur Frau nehmen würden, antwortete der Unternehmer seinem Vater:

`Die Tochter des Dorfältesten gefällt mir, Vater, sie will ich zu Frau nehmen.`

`Ich sehe, mein Sohn, du bist ein Prachtkerl. Die Tochter des Dorfältesten ist im ganzen Umkreis die Schönste. Alle Gäste, die aus den umliegenden und den weiter entfernten Dörfern zu uns kommen, sind entzückt, wenn sie sie sehen. Aber sie ist auch eigensinnig. Den Verstand dieser ungewöhnlichen jungen Frau können selbst die Eltern nicht verstehen. Sie ist seltsam. Zu ihr kommen immer mehr Frauen aus verschiedenen Dörfern und bringen ihre Kinder mit, um von ihr einen Rat und Heilung von Leiden zu erhalten.`

`Na und, Vater? Ich bin auch nicht von gestern. In unserem Dorf gibt es kein großzügigeres Haus, kein besseres Auto als meins. Zudem habe ich zweimal gesehen, wie sich mich lange und nachdenklich angeschaut hat.`.


Der zweite Vater fragte seinen Sohn:

`Welche gefällt dir aus dem Dorf am besten, mein Sohn?

Der junge Mann antwortete:

`Ich liebe die Tochter des Dorfältesten, Vater.`

`Wie verhält sie sich dir gegenüber, mein Sohn? Hast du ihren verliebten Blick gesehen?`


`Nein, Vater. Als ich sie zufällig traf, schlug sie die Augen nieder.`

Beide Nachbarn beschlossen gleichzeitig, die Braut für ihre Söhne zu freien. Sie gingen hin und nahmen gebührlich Platz. Der Dorfälteste rief seine Tochter und sagte ihr:

`Meine Tochter, die Brautwerber sind bei uns. Gleich von zwei jungen Männern, die dich zur Frau nehmen wollen. Wir haben gemeinsam beschlossen, dass du von beiden den Auserwählten bestimmst. Kannst du es uns gleich sagen oder wirst du bis zum Tagesanbruch darüber nachdenken?

`Ich sah in meinen Träumen nicht wenige Tagesanbrüche, Vater`, sagte das junge Mädchen leise. `Ich kann euch jetzt die Antwort geben.`

`Dann sag, wir warten alle voller Ungeduld.`

Die Schöne antwortete den Brautwerbern so:

Ich danke euch, ihr Väter, für eure Aufmerksamkeit. Den Söhnen der Brautwerber danke ich für den Wunsch, ihr Leben mit meinem zu verbinden. Ihr habt schöne Söhne aufgezogen, ihr Väter, und die Wahl könnte schwierig sei, wem von den beiden ich mein Schicksal anvertraue. Aber ich möchte Kinder gebären und die Kinder sollen glücklich sein. Die Kinder sollten in Wohlstand leben, in Freiheit und Liebe und daher habe ich mich in denjenigen verliebt, der reicher ist als alle anderen.`


Der Vater des Unternehmers stand stolz auf. Der zweite Vater saß mit gesenktem Blick da. Aber das Mädchen ging zum zweiten Vater, kniete vor ihm nieder und sprach mit gesenkten Lidern:

`Ich möchte mit eurem Sohn leben.`

Auch der Dorfälteste erhob sich. Er wollte seine Tochter in dem Haus sehen, das im Dorf als das reichste galt, und sagte daher streng.

`Deine Worte sind richtig ´, meine Tochter, deine Besonnenheit erfreute das Herz des Vaters. Aber du bist nicht zum Reichsten im Dorf gegangen und vor ihm niedergekniet. Der Reichste ist hier ein anderer. Hier ist er.`

Der Dorfälteste zeigte mit der Hand auf den Vater des Unternehmers und fügte hinzu:

`Ihr Sohn hat ein großes Haus gebaut. Ein Auto, einen Traktor, Geld haben sie.`

Das junge Mädchen trat näher an ihren Vater heran und antwortete auf die strengen, befremdenden Worte:


`Natürlich hast du Recht, Papa. Aber ich habe von Kindern gesprochen. Welcher Nutzen für die Kinder liegt in den Sachen, die du aufgezählt hast? Der Traktor geht kaputt, während sie aufwachsen. Das Auto verrostet und das Haus wird baufällig.`

`Mag sein, mögen deine Worte auch für mich wahr sein. Aber die Kinder werden viel Geld haben und sie werden einen neuen Traktor, ein neues Auto und Kleidung kaufen.`

`Wie viel ist denn viel, möchte ich gern wissen?`

Der Vater des Unternehmers strich sich stolz über den Bart und antwortet Langsam und gewichtig:


`Mein Sohn hat so viel Geld, dass man drei solche Höfe, wie wir sie haben, auf einmal kaufen könnte, wenn es nötig wäre. Solche Pferde, wie der Nachbar hat, können wir nicht nur zwei, sondern eine ganze Herde erwerben.`

Die Augen demütig gesenkt antwortete das Mädchen:


`Ich wünsche euch und eurem Sohn Glück. Aber mit keinem Geld der Welt kann man den väterlichen Garten kaufen, wo jedes Zweiglein sich mit Liebe demjenigen hinstreckt, der es aufzieht, und mit keinem Geld kann man die Ergebenheit des Pferdes kaufen, das als Fohlen mit dem Kind spielte. Euer Anwesen erzeugt Geld, der Familienlandsitz meines Liebsten – Wohlstand und Liebe.`

 


 

 
  

Erinnerungen


 

Erinnerungen an die Vollkommenheit flackern auf

doch Sie stürzt sich drauf.

Als scheint Sie alles zu wissen

doch sprechen tut Sie nicht

 


 

Als wollte sie uns erinnern

an das was dort einst war

als alles war Vollkommen

bevor wir dieses, der Erde haben genommen

 


 

So sitzen wir von Neuem

wissen nicht wie oft

sind dankbar das unser Herz noch tropft

da es nun ausschließlich für die Liebe klopft

 


 

Buchzitat: Wladimir Megre 

Hörspiel : Thomas Patock 

Gedicht : Thomas Patock